"Vijf journalistieke startups in Duitsland"

Unser Beitrag über journalistische Startups in Deutschland für die niederländische Seite Persinnovatie hier im Original:

Zunächst einmal will ich ehrlich sein: Deutschland war bisher nicht das Land der kreativen journalistischen Ideen. Gerade im Vergleich mit den Niederlanden, mit seiner tollen Crowdfunding-Kultur, spektakulären Erfolgen wie De Correspondent und einem gut entwickelten Stiftungswesen, hatten wir bisher nicht viel vorzuweisen. Zwar geht es den deutschen Zeitungen und Zeitschriften nicht besser als denen in anderen europäischen Ländern. Aber die deutschen Verlage kommen mit der fundamentalen Krise, in denen sich ihr Geschäftsmodell befindet, schlecht zurecht. Dabei verlieren überall im Land Journalisten ihren Job, werden werden Zeitungen geschlossen oder melden Insolvenz an und ist die gefühlte Krise zu einer sehr handfesten geworden. Die Lage der freien Journalisten hat sich in den vergangenen Jahren besonders verschlechtert.

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Es gibt viele Dinge, die Geld kosten und existentiell wichtig sind für eine Gesellschaft, bei denen die Gesetze des Marktes aber nicht wirken. Der sozialwissenschaftliche Fachausdruck für so etwas ist Öffentliches Gut.

Journalismus, gerade solcher, der für die Demokratie wichtig ist, fällt in Zukunft wohl auch in diese Kategorie. Alle brauchen es, aber niemand will dafür zahlen – das sogenannte Trittbrettfahrerproblem.

Christoph Beck ist Softwareentwickler und neben Dirk Holzapfel Chef der Berliner Web-Agentur Bitcrowd. Im Interview berichtet er von der Zusammenarbeit mit Krautreporter,  nimmt Journalisten Berührungsängste mit Computerleuten und erklärt, wie man am effektivsten zusammenarbeitet.

Christoph, Softwareentwickler, was sind das für Leute?

Christoph Beck:  Wir haben  die verrücktesten Leute, aber ein bestimmter Typus ist mir noch nicht aufgefallen. Es sind die gleichen Typen wie Schafscherer oder Bauarbeiter. Es sind Leute die viel Zeit investiert haben sich in einem bestimmten Bereich nach vorne zu bewegen und zu qualifizieren.

Was ist das Besondere an der Arbeit mit Software?

Software wird manchmal damit verglichen Brücken bauen. Ich würde es eher damit vergleichen, ein Buch zu schreiben. Wenn ich jemanden beauftrage meine Biografie zu schreiben, dann muss ich demjenigen genau erzählen, was in meinem Leben passiert ist. Ich habe Einfluss darauf, was er schreibt, aber den Stil kann ich nicht bestimmen. So ähnlich ist es auch bei der Softwareentwicklung: Ich brauche einen möglichst genauen Plan – der Rest ergibt sich im Prozess.

Mal angenommen ich bin Journalist mit einer groben Idee für ein Software-Projekt. Ich habe aber keine Ahnung von Software. Was sollte eine Idee haben?

Wenn die Idee Dich begeistert, ist sie gut. Wenn sie Deine Freunde begeistert, ist sie sehr gut. Schwierig wird es, wenn sie Deine Freunde erst begeistert, nachdem Du sie dreißig Mal darüber intensiv befragt hast. Die Idee sollte also selbsterklärend sein. Wenn das der Fall ist, solltest du möglichst schnell den Kontakt zu einem Softwareunternehmen suchen, am besten so jemanden wie uns, die agile Softwareentwicklung machen.

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‎”Die Leute sind besessen von der falschen Frage: Wie zwingen wir die Leute dazu, für Musik zu zahlen? Wie wäre es, wenn wir stattdessen fragen würden: Wie ermöglichen wir den Leuten, für Musik zu zahlen?”

Eine von vielen wichtigen Einsichten aus dem TED-Talk der Musikerin Amanda Palmer, der am Wochenende online gegangen ist. Wer eine knappe Viertelstunde Zeit hat, lernt darin alles, was man wissen muss, um Crowdfunding zu verstehen – und möglicherweise einiges über die Zukunft des Journalismus.

Lindsey Hoshaw ist eine amerikanische Journalistin, die sich auf Umwelt-Geschichten spezialisiert hat. Ihre erst große Story, die später in der New York Times erschien, berichtete über den “Great Pacific Garbage Patch”, einem riesigen Gebiet von Müllflecken mitten im Meer. 

Lindsey ergatterte einen Platz auf einem Forschungsschiff und bekam so die Möglichkeit, einen Monat lang auf See zu sein und über den Müllteppich zu berichten. Kleiner Haken bei der Sache: dieser Platz kostete 10.000 Dollar. Einen Betrag in dieser Höhe wollte auch die Times nicht für ihre Recherche aufbringen.

Also wandte sich Lindsey an die Crowdfunding-Plattform spot.us. Mit der Hilfe vieler verschiedener Unterstützer bekam sie das Geld in wenigen Wochen zusammen, konnte in See stechen und ihr Bericht wurde in der wichtigsten Zeitung des Landes gedruckt.

Wir haben Lindsey am Rand einer Konferenz in Gent, Belgien, getroffen und nach ihren Erfahrungen mit Journalismus-Crowdfunding, dem Ablauf ihrer Kampagne und Tipps für Kollegen befragt.

Ach ja: Dass das Video mit einem Mobiltelefon gedreht wurde, sieht und hört man ihm leider an.

Dirk von Gehlen, Redaktionsleiter von Jetzt.de, brauchte nur fünf Tage, um das 5.000-Euro-Ziel für sein neues Buch zu überschreiten. Diese Summe hat das Projekt inzwischen verdoppelt – ein toller Erfolg für sein Journalismus-Crowdfunding-Experiment.

Im Interview spricht Dirk von Gehlen darüber, wie er den Verlauf seiner Kampagne erlebt hat, welche Ratschläge er Journalisten gibt, die selbst eine Story crowdfunden wollen, und welche Chancen Crowdfunding für den krisengeschüttelten Journalismus bietet.