Das NDR-Medienmagazin “Zapp” über “Wie glaubt der Norden”, Krautreporter und überhaupt. Schöner Beitrag von Charlotte Horn.

‎”Die Leute sind besessen von der falschen Frage: Wie zwingen wir die Leute dazu, für Musik zu zahlen? Wie wäre es, wenn wir stattdessen fragen würden: Wie ermöglichen wir den Leuten, für Musik zu zahlen?”

Eine von vielen wichtigen Einsichten aus dem TED-Talk der Musikerin Amanda Palmer, der am Wochenende online gegangen ist. Wer eine knappe Viertelstunde Zeit hat, lernt darin alles, was man wissen muss, um Crowdfunding zu verstehen – und möglicherweise einiges über die Zukunft des Journalismus.

Lindsey Hoshaw ist eine amerikanische Journalistin, die sich auf Umwelt-Geschichten spezialisiert hat. Ihre erst große Story, die später in der New York Times erschien, berichtete über den “Great Pacific Garbage Patch”, einem riesigen Gebiet von Müllflecken mitten im Meer. 

Lindsey ergatterte einen Platz auf einem Forschungsschiff und bekam so die Möglichkeit, einen Monat lang auf See zu sein und über den Müllteppich zu berichten. Kleiner Haken bei der Sache: dieser Platz kostete 10.000 Dollar. Einen Betrag in dieser Höhe wollte auch die Times nicht für ihre Recherche aufbringen.

Also wandte sich Lindsey an die Crowdfunding-Plattform spot.us. Mit der Hilfe vieler verschiedener Unterstützer bekam sie das Geld in wenigen Wochen zusammen, konnte in See stechen und ihr Bericht wurde in der wichtigsten Zeitung des Landes gedruckt.

Wir haben Lindsey am Rand einer Konferenz in Gent, Belgien, getroffen und nach ihren Erfahrungen mit Journalismus-Crowdfunding, dem Ablauf ihrer Kampagne und Tipps für Kollegen befragt.

Ach ja: Dass das Video mit einem Mobiltelefon gedreht wurde, sieht und hört man ihm leider an.

Dirk von Gehlen, Redaktionsleiter von Jetzt.de, brauchte nur fünf Tage, um das 5.000-Euro-Ziel für sein neues Buch zu überschreiten. Diese Summe hat das Projekt inzwischen verdoppelt – ein toller Erfolg für sein Journalismus-Crowdfunding-Experiment.

Im Interview spricht Dirk von Gehlen darüber, wie er den Verlauf seiner Kampagne erlebt hat, welche Ratschläge er Journalisten gibt, die selbst eine Story crowdfunden wollen, und welche Chancen Crowdfunding für den krisengeschüttelten Journalismus bietet.

Ein Crowdfunding-Fazit in sechs Punkten

Und nochmal Dirk von Gehlen: In einem Blogpost fasst er die Lehren aus seinem Journalismus-Crowdfunding-Projekt “Eine neue Version ist verfügbar” zusammen. Sein Fazit enthält tolle Tipps für Journalisten, die ein eigenes Projekt starten wollen. 

  1. Nur wer weiß, was er will, kann andere davon überzeugen
  2. Crowdfunding handelt in erster Linie von der Crowd
  3. Social Media ist mehr als Twitter und Facebook
  4. Crowdfunding ist kein Betteln
  5. Crowdfunding macht Arbeit und schafft Arbeit
  6. Crowdfunding ist Ergänzung, kein Ersatz für klassische Modelle

      Wie viel Geld kann ich verlangen?

Die Macher des Tomorrow-Magazins – die zuvor gemeinsam bei der eingestellten Zeitschrift Good gearbeitet hatten – haben im Sommer bei Kickstarter 45.000 statt der angepeilten 15.000 Dollar eingesammelt – eine Summe, die am Ende trotzdem zu niedrig war, wie sie vorrechnen, nachdem das Heft nun erscheinen ist.

tomorrowmag:

Well, now that (most of) the dust has settled and we’ve made a magazine, we want to show you all how we did it. Er, at least how we figured out the finances. See the full breakdown here.

Major takeaway? We set our Kickstarter ask way too low. If we had merely hit our goal ($15,000) and…

Michael Maness ist der für Journalismus-Förderung zuständige Vizepräsident der Knight Foundation, einer der wichtigsten amerikanischen Stiftungen. Sie hat seit 2007 mehr als 150 Millionen Dollar in die Förderung von Journalismus gesteckt.

Unter den geförderten Projekten ist auch spot.us, die erste Journalismus-Crowdfunding-Plattform überhaupt, gegründet von dem damals 25 Jahre alten David Cohn. Die Knight Foundation ermöglichte seine visionäre Idee mit einer Spende von 340.000 Dollar.

Wir stellen Maness angesichts dieser Summe die naheliegende Frage: warum?

“Es war ein unglaublicher Moment”

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Eines der erfolgreichsten Journalismus-Crowdfunding-Projekte aller Zeiten ist das Magazin Matter der beiden Technik- und Wissenschaftsjournalisten Bobbie Johnson und Jim Giles. Mit Ihrem Pitch bei Kickstarter gelang es ihnen im März 2012, 140.000 Dollar einzusammeln. Wie haben Sie das gemacht? Wir haben Bobbie Johnson gefragt.

Krautreporter: Herr Johnson, mit welchem Ergebnis haben sie bei ihrem Kickstarter-Projekt gerechnet?
Bobbie Johnson: Man kann wohl sagen: Wir hatten uns auf ein Scheitern eingestellt. Unser Finanzierungsziel von 50.000 Dollar war einfach die Summe, die wir brauchen würden, um das Projekt zu starten. Und wir hatten ein ähnliches Projekt auf Kickstarter gesehen, das 55.000 Dollar erreicht hatte. Also haben wir eine Summe angestrebt, die einigermaßen realistisch schien.

Und was passierte tatsächlich?
Tja, nach nur 36 Stunden hatten wir unser 50.000-Dollar-Ziel erreicht. Es war ein unglaublicher Moment. Ich habe zwei Tage lang nicht geschlafen.

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